Theater am Olgaeck


Fjodor M. Dostojewski (1821-1881)

Der Großinquisitor

Ein Kapitel aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“

Was Iwan Karamasow, der zynische Freigeist, seinem frommen Bruder Aljoscha da eines Abends in einer Kneipe erzählt, kann niemanden unberührt lassen. Diese „Phantasie“ ist so ungeheuerlich ... wie eigentlich alles, was Dostojewski uns hinterlassen hat.

Was geschieht? Die von Iwan erdachte Szene spielt zur Zeit der spanischen Inquisition. Hunderte Ketzer werden auf den Scheiterhaufen der Kirche hingerichtet. Da erscheint plötzlich, auf dem Domplatz von Sevilla, Christus noch einmal, in Menschengestalt. Er wird von der Menge erkannt – und sogleich auf Geheiß des Großinquisitors, der eine „Störung“ seiner Autorität befürchtet, eingekerkert. In der darauf folgenden Nacht klagt der Priester Christus an, er habe die leidenden Menschen durch seine Worte und Taten nicht erlöst, sondern im Gegenteil: ihr Unglück vervielfacht. Dafür habe er – als „der schlimmste aller Ketzer“ – den Tod auf dem Scheiterhaufen verdient! Er selbst aber, der Großinquisitor, werde mit Hilfe des „Antichrist“ das Werk der Erlösung vollenden! – Mit einem Kuss endet die „Legende“.

Eine ungeheuerliche Erzählung! Und doch hat wohl kein Dichter je mit so quälend genauer Logik den eigentlichen Grund für die Verurteilung Jesu zu Ende gedacht: seine „unerträgliche“ Botschaft von der Freiheit der Kinder Gottes! – Nach dieser Lesung, meisterhaft von Rudolf Guckelsberger vorgetragen, werden Sie den nächsten Karfreitag anders erleben...

Sprecher: Rudolf Guckelsberger

Karten: € 9,- / ermäßigt: 7,-